03.04.2017

Würstchen mit Senf für Obdachlose

Veranstaltung von „Fellbach hilft“ Ende März

Ein Kommentar von Helmut H. Schmid, Chefredakteur und Geschäftsführer von Trott-war

Mit der Kundgebung „Fellbach hilft“ am Freitag, 24. März 2017, auf dem Fellbacher Marktplatz wollten die Veranstalter auf die desaströse Wohnsituation obdachloser Menschen aufmerksam machen. Dies bekundeten sie jedenfalls, als drei Vertreter von ihnen bei Trott-war vorbeikamen, um die Straßenzeitung für die Aktion zu gewinnen. Politiker sollten zu der Veranstaltung eingeladen und im anstehenden Wahlkampf zu ihrem Engagement für soziale Randgruppen und für mehr sozialen Wohnungsbau befragt werden. Obdachlose Menschen sollten kostenlos Würstchen und Gutscheine für eine Übernachtung mit Frühstück in einem Fellbacher Hotel erhalten.

Da sich die Straßenzeitung für sozial benachteiligte Menschen und gegen deren Ausgrenzung ebenso einsetzt wie für sozialen Wohnungsbau, lag ihre Beteiligung auf der Hand. Nachdem ein Flyer der Veranstalter der aktuellen Trott-war-Ausgabe beilag, ergab eine Recherche den Verdacht, dass die Veranstalter von „Fellbach hilft“ dieselben sind wie die von „Fellbach wehrt sich“, einer rechtsgerichteten Kundgebung in derselben Stadt vor wenigen Jahren. Trott-war erhielt kurz vor der Veranstaltung auch einige Warnhinweise in diese Richtung.

Auf diesen Verdacht angesprochen, bekundeten die Veranstalter um Michael Stecher: „Unsere Organisatoren wollen weder Nazis, Reichsbürger noch Faschisten auf dem Platz haben. Leute mit abgrundtiefen, Menschen verachtenden Vorurteilen, geprägt von Rassismus und Intoleranz, die im Schafspelz der Demokratie daher kommen, sind den Organisatoren zuwider, obwohl für Obdachlose es zweitrangig ist, wer spendet. … Wir wollen keine Fortsetzung der Nazi-Zeit und des Hitler-Reiches unter einem falschen Deckmantel!“ Eine „Läuterung“ der Organisatoren schien also eingetreten zu sein. Für Trott-war es trotz einiger verbliebener Bedenken journalistische Pflicht, sich vor Ort selbst ein Bild zu machen und die Chance zu nutzen, sich entsprechend zu positionieren. Ganz nach dem Motto: „Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel richtig setzen“ (Aristoteles), interessierte die Straßenzeitung zudem, was die regionalen Politiker um die Landeshauptstadt gegen die Not sozial benachteiligter Menschen zu tun gedenken.

Von den politisch Verantwortlichen war jedoch niemand erschienen, ebenso wie kaum obdachlose Menschen zugegen waren. Anwesend waren eine kleine, der rechten Szene zuzuordnende Gruppe sowie etwa ebenso viele Vertreter der Gegenseite und einige Journalisten. Zudem war die Polizei mit noch mehr Vertretern zugegen, darunter sogar eine Staffel der berittenen Beamten.

Die Veranstaltung verlief friedlich. Trott-war ergriff dort natürlich auch die Chance, auf die Wohnungsnot obdachloser Menschen und die sozialpolitischen Versäumnisse der Landeshauptstadt aufmerksam zu machen, und distanzierte sich gleichzeitig entschieden von der Veranstaltung, falls diese rechtspopulistischen und deutschtümelnden Zielen dienen oder gar darauf abzielen sollte, soziale Randgruppen – wie etwa Asylsuchende und Obdachlose –, gegeneinander auszuspielen. Gerade soziale Randgruppen müssen sich solidarisch zusammenschließen und bedürfen zudem des Schulterschlusses mit der gesamten gesellschaftlichen Mitte, um in einer vom Kapital dominierten Welt wenigstens einigermaßen menschlich überleben zu können.

Leider waren aus den darauf folgenden Redebeiträgen der Veranstalter durchaus rechtspopulistische Tendenzen zu entnehmen, wovon sich Trott-war e. V. entschieden distanziert.