06.07.2018

Österreich und Wales Turniersieger im European Street Football Festival

Straßenfußball-Match in Graz hilft, den Weg vom Rand in die Mitte der Gesellschaft zu finden

Das siegreiche österreichische Teamdie finnischen Frauen gratulieren den Gewinnerinnen aus WalesFahnen schwenkende Spielerinnen und Spieler gehen über einen PlatzSpielerinnen und Spieler stehen auf einer Wiese im Kreis

Österreich und Wales als Turniersieger, 44 spannende Straßenfußball-Matches, hunderte begeisterte Zuschauende vor dem Rathaus, knapp 1.000 Nächtigungen und mehr als 80 Sportlerinnen und Sportler aus 11 europäischen Nationen, die von Mittwoch, dem 4. Juli, bis zum Freitag, dem 6. Juli, für internationales Flair in der Grazer Innenstadt sorgten. Dazu ein sozialpädagogisches Rahmenprogramm, das die SportlerInnen mit Fluchthintergrund, Suchtkrankheit oder Erfahrungen mit Obdachlosigkeit nachhaltig auf ihrem Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft unterstützt.

Drei Tage lang beherrschte mit dem European Street Football Festival 2018, einem Ableger des Homeless World Cups, der soziale Straßenfußball das Grazer Stadtbild. Nach anfänglicher Hitze, konnte auch der am Donnerstagabend einsetzende Regen die SportlerInnen der acht Frauen- und sechs Herren-Teams nicht davon abhalten, auf dem Straßenfußballfeld vor dem Grazer Rathaus alles zu geben. Und selbst während des starken Regens ließen sich einige Zuschauer nicht vom Mitfiebern mit den SpielerInnen abhalten, bevor sich die Tribünen dann rechtzeitig zur heißen Finalphase am späten Freitagnachmittag wieder füllten.

Rein österreichisches Finale bei den Herren

Vor allem für Österreichs Herren (als Gastgeberland wie auch die österreichischen Frauen mit zwei Teams vertreten) verlief das Turnier erfolgreich, sodass das Homeless World Cup Team in einem rein österreichischen Finale mit 4:3 knapp gegen das Team Initiative Goal gewinnen konnte.

Bei den Frauen gewinnt Wales

Im Finale der Frauen konnte sich Wales  mit 6:1 gegen Finnland durchsetzen.

Deutschland auf Platz 5

Deutschland belegte beim Turnier Platz 5. Unabhängig von Sieg und Niederlage, war die Stimmung aber durchwegs bei allen Mannschaften gut, so Thomas Jäger, Festival Organisator und für die Caritas Steiermark Projektleiter des Homeless World Cup Österreich. „Es haben sich alle von Anfang bis Ende wohl gefühlt. Es war auch ein großer Vorteil, dass alle Teams gemeinsam untergebracht waren und sie sich so gut untereinander austauschen können. Wenn dort am Abend mit anderen Teams Drehfußball gespielt wird, ist das natürlich ein gutes Zeichen.“

Weg in die Mitte der Gesellschaft

Unabhängig von den Ergebnissen am Fußballplatz, können sich laut Thomas Jäger ohnehin alle Sportlerinnen und Sportler als Sieger fühlen: „Es geht beim sozialen Straßenfußball darum, aus dem Randgruppendasein herauszukommen und vom Einzelgänger zum Teamspieler zu werden.“ Das könne der Sport bewirken. Darüber hinaus erlebten die Spielenden während eines Turniers auch einen Perspektivenwechsel: „Raus aus der klassischen Rolle als Obdachlose(r) oder Flüchtling – in dieser Woche sind alle Fußballer. Das macht total viel mit den Menschen!“ Dazu gehöre auch die veränderte Wahrnehmung des Publikums: „Es gibt einen doppelten Perspektivenwechsel. Die Spielenden werden vom Publikum nicht mehr als Außenseiter wahrgenommen und nehmen sich dadurch auch selbst anders wahr.“ In verschiedenen sozialpädagogischen Workshops, die immer am Vormittag und bereits am Dienstag, dem 3. Juli, ganztägig stattfanden, war es das Ziel, diesen Perspektivenwechsel nachhaltig zu verfestigen – und damit dem eigentlichen Ziel des sozialen Straßenfußballs näher zu kommen: Den Weg vom Rand in die Mitte der Gesellschaft zu finden.

Alle weiteren Informationen zum European Street Football Festivals finden Sie auf www.homelessworldcup.at/europeanstreetfootballfestival

Fotos (© Caritas/Neugebauer)