10.09.2018

Trott-war beim internationalen Jahrestreffen der Straßenzeitungen

Gruppenfoto der TeilnehmendenStapel von ZeitungenMenschen diskutieren am TischMenschen diskutieren mit Referent am Pult

Drei Tage Glasgow – Ende August trafen sich 73 Vertreterinnen und Vertreter von 43 Straßenmagazinen aus 26 Ländern zum internationalen Straßenzeitungstreffen. Auch Trott-war schickte eine Delegierte vom 21. bis 23. August in die schottische Hauptstadt, um über jüngste Entwicklungen zu debattieren und sich auszutauschen. Wichtigste Erkenntnis: Trotz Digitalisierung der Medien bleiben gedruckte Straßenmagazine ein tragfähiges Geschäftsmodell.

Die Auflagen in Europa bleiben stabil, berichtete Sarah Murdoch. Sie hatte zahlreiche Daten des INSP-Netzwerkes ausgewertet und den Tagungsgästen vorgestellt. „Wir sehen keine Krise“, sagte die INSP-Vorsitzende Maree Aldam. Zwar gäbe es Schwankungen in den Auflagen, aber die Daten seien sehr komplex, jede Zeitung habe ihre eigene Geschichte. Im INSP-Netzwerk haben sich 92 Straßenmagazine zusammengeschlossen, von Nord- und Südamerika über Afrika und Europa bis nach Japan. Die meisten erscheinen monatlich, manche auch öfters, manche seltener.

Der Straßenzeitungsgipfel am River Clyde wurde vom Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen (INSP) ausgerichtet. Er bot wie jedes Jahr Gelegenheit, Ideen und Anregungen mit Kolleginnen und Kollegen weltweit auszutauschen und neue Wege zu diskutieren, die andere Straßenzeitungen einschlagen.Und so bekamen die Delegierten auch wenig von den Schönheiten von Glasgow mit. Statt dessen absolvierten sie ein dichtes Programm aus Workshops, Vorträgen und Diskussionen. Eine interessante Entwicklung ist, dass immer mehr Straßenzeitungen ihren Kundinnen und Kunden ermöglichen, bargeldlos zu bezahlen. Vor allem in Nordamerika, Australien und Nordeuropa können Käuferinnen und Käufer mit Hilfe von Smartphone-Apps oder Kartenlesegeräten den Preis mit einem – oder auch mehreren Clicks – bezahlen. In Deutschland ist der Trend noch nicht sehr präsent. Dennoch sieht der Vertreter des deutschsprachigen Netzwerkes der Straßenzeitungen Georg Rinke im bargeldlosen Bezahlen eine wichtige Zukunftsaufgabe, die nicht verschlafen werden dürfe. Weitere wertvolle Anregungen aus den Workshops waren etwa erfolgreiche Modelle der Online-Kommunikation, der Kooperation mit Sponsoren oder Projekte, die Arbeit für Wohnungs- und Arbeitslose schaffen.

Und wie kann die Politik helfen? Zusammenarbeit und Austausch soll weiter die internationale Politik bestimmen, waren sich die 73 Delegierten einig. „Wir brauchen keine gesellschaftliche Polarisation“, rief Sunny Hundal unter starken Beifall der Kongressgäste. Hass und Abschottung seien keine Mittel gegen Armut und Obdachlosigkeit, sagte der britische  Online-Journalist mit Blick auf rechte Strömungen und den amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Das nächste nationale und internationale Straßenzeitungstreffen findet vom 18. bis 20 Juni 2019 bei der Straßenzeitung Asphalt in Hannover statt. Geschäftsführer Georg Rinke sagte: „Ich freue mich sehr, dass internationale Gäste aus mehr als 40 Ländern zu uns nach Hannover kommen. Wir werden dafür sorgen, dass die 25-Jahr-Jubiläen der Straßenzeitung Asphalt und des Internationalen Netzwerkes INSP richtig gefeiert werden.“ Auch Trott-war hat Grund, kräftig mitzufeiern: denn die Straßenzeitung im Südwesten wird nächstes Jahr auch 25 Jahre alt.