30.09.2016

Gut integriert – dennoch von Abschiebung bedroht

Der junge Marokkaner Djilali Hadj kam als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland. Seit fast sieben Jahren lebt derheute 27-Jährige in Stuttgart. Er spricht gut Deutsch, hat hier einen Hauptschulabschluss mit Belobigung abgelegt und könnte seit drei Jahren eine Lehrstelle als Metallbauer bei einer Schlosserei in Stuttgart haben – wenn er eine Duldung mit Arbeitserlaubnis bekäme. Im Beitrag „Elternlos, staatenlos, heimatlos, arbeitslos“ berichtete Lien Herzog in der Dezember-Ausgabe 2015 unserer Straßenzeitung über seine schwierige Lebenssituation.

Er erfüllt alle Voraussetzungen für eine gelungene Integration. Sein Problem: Er hat keinen Pass. Günter Königsdorf, ehrenamtlicher Lernpate bei Startklar und Betreuer junger Flüchtlinge, setzt sich seit Jahren für ihn ein.

In den vergangenen Tagen haben Djilali Hadj und Zin Abidin, ein weiterer junger Flüchtling aus Marokko, der mit denselben Voraussetzungen wie Djilali eine Duldung mit Arbeitserlaubnis hat, eine Vorladung zur „Durchführung des Aufenthaltsgesetzes“ vom Regierungspräsidium in Karlsruhe bekommen. Zur Aufenthaltsbeendigung sollen beide ein gültiges Reisedokument bei ihrer Heimatvertretung beantragen. Es sei zynisch, wie mit den jungen Menschen umgegangen werde. Nicht einmal das richtige Heimatland werde berücksichtigt, Djilali soll bei einem Vertreter der algerischen Botschaft vorsprechen. Günter Königsdorf hat einen Fachanwalt für Ausländerrecht & Asylrecht eingeschaltet.

Eine Abschiebung in ihr Herkunftsland Marokko würde die Zukunft der jungen Männer zerstören. Dort wären sie nach ihrer Rückkehr ein Nichts, hier haben sie Freunde, fühlen sich heimisch und sind willkommene Arbeitskräfte.

/ keh